Was ist Weiderotation?

Weiderotation1 ist eine Methode des Weidemanagements. Man steuert die Herde regelmäßig und systematisch auf frische und erholte Weideflächen, um Qualität und Quantität deren Wachstums zu maximieren.

Dabei imitiert der Landwirt mit den Tieren bestmöglich deren natürliches Verhalten in freier Natur: Herdenbildung, Bewegung (beides historisch auf der Flucht vor Raubtieren) und Grasen. Das Resultat nutzt Ökologie und Ökonomie gleichermaßen. Weiderotation bietet viele Potenziale, darunter:

  • Optimale Tiergesundheit durch Bewegung und frische Luft sowie geringere Schädlingsbelastung.2
  • Erhöhte Futterproduktion (und -qualität) auf gleicher Fläche durch optimale Nutzung der Wachstumszyklen von Gräsern und Kräutern.3
  • Verbesserung der Artenvielfalt und Bodengesundheit durch natürliche Pflege des Ökosystems.4
  • Erhöhte Bindung von Klimawirksamen Gasen wie Kohlenstoffdioxid.5
  • Höheres Einkommen bei Milchviehherden.6

Warum Weiderotation?

Weiderotation kann Über- und Unterweidung und somit ökologisch Schäden verhindern und das Potenzial des Ökosystems voll nutzen. Das ist essenziell für die nachhaltige Nutzung von Weideland. Der Landwirt arbeitet dadurch zugleich ökonomisch und ökologisch vorteilhaft.7

Wie funktioniert Weiderotation in der Praxis?

Der Landwirt unterteilt sein Weideland in mehrere kleinere Abschnitte und trennt diese durch Zäune. Dann treibt er die Herde regelmäßig auf neue Abschnitte um. Nämlich genau dann, wenn eine Fläche abgegrast, jedoch bevor sie überweidet ist.

Ziel ist, die Herde erst dann einen Abschnitt erneut beweiden zu lassen, wenn dieser genug Zeit zur maximalen Regeneration hatte, jedoch bevor sein Wachstum stagniert. Dieser Zeitraum hängt ab von klimatischen Bedingungen und der Bodenqualität: In gemäßigten Klimazonen oft um fünf bis sechs Wochen nach einer zwei- bis viertägigen Weidephase. Zentral ist die ausreichende Regeneration der Weidefläche.8

Hier ist die Achtsamkeit des erfahrenen Landwirtes gefragt. Jede Region, jedes Mikroklima, jeder Bewuchs – und jede Herdengröße und Rasse – muss er individuell beachten. Ohne ganzheitliche Betrachtung des gesamten Ökosystems, einschließlich der Bodenorganismen, Pflanzen und Tiere, kann Weiderotation nicht optimal funktionieren.

Durch die häufige Bewegung verteilen sich Dung und Urin gleichmäßig als Dünger auf den Weideflächen. Das fördert die Humusbildung und erhöht die Produktivität.9 Da die Tiere sich stets von ihren Ausscheidungen wegbewegen, verbessert sich die Hygiene und Schädlinge wie Parasiten finden nur wenig Lebensraum.

Symbiotische Landwirtschaft kann diese Vorteile mehren und die Produktivität der Weide erhöhen.

Eines von vielen Videos aus der Praxis:


Fußnoten

  1. Alternative Bezeichnungen: Rotational grazing, Managed intensive rotational grazing (MIRG), cell grazing, mob grazing, holistic managed planned grazing
  2. Siehe auch Vorteile/Tierwohl.
  3. Siehe auch Graswachstum.
  4. Siehe auch Vorteile/Umwelt und Klima.
  5. Siehe auch Vorteile/Umwelt und Klima.
  6. Elsäßer, Jilg, Over (2007) Projekt ‚Weidemilch‘: Die ersten Ergebnisse, Top Agrar 4/2007.
  7. Mehr über Weidemangement unter Methoden/Was ist Weidemanagement?
  8. Siehe auch Graswachstum.
  9. W.R. Teague et al. (2011) Grazing management impacts on vegetation, soil biota and soil chemical, physical and hydrological properties in tall grass prairie. Agriculture, Ecosystems & Environment. Volume 141, Issues 3–4, May 2011, Pages 310–322.