Warum ist (scheint) Weidefleisch teurer?

Weidefleisch ist nur auf den ersten Blick teurer als das Fleisch im Supermarkt oder beim Discounter. Tatsächlich bezahlen wir für das vermeintlich billigere Fleisch aus Intensivtierhaltung auf anderen Wegen viel mehr. Die höheren Kosten sind jedoch versteckt und wir tragen sie durch Steuergelder, Umweltschäden und unsere Gesundheit und Lebensqualität.1 Weidefleisch hat hingegen in der Regel den echten, ehrlichen Preis.

Die Industrie nutzt folgende Mittel, um niedrigere Produktkosten vorzugaukeln:

Subventionen

Industrielle Intensivtierhaltung erfreut sich vielfältiger Subventionen durch die Agrarpolitik. Die fördert bevorzugt große Unternehmen, sogenannte Bagatellgrenzen schließen kleine Erzeuger von der Förderung aus. Der Anbau von Futtermitteln oder Energiemais in Monokulturen scheint wirtschaftlich oft gewinnbringender als die Beweidung der Flächen. Für die Industrie lohnt sich daher die Intensivtierhaltung in Mastanlagen: So kann sie billiger produzieren und das Fleisch entsprechend verkaufen. Dem Verbraucher scheint das Fleisch an der Kasse billiger. Allerdings übersieht er dabei die Subventionen, die er selbst durch Steuergelder trägt. Er bezahlt für das Fleisch also zweimal: Einmal im Supermarkt und einmal an das Finanzamt.

Externalisierung

Die Agrarindustrie externalisiert einen großen Teil ihrer Kosten. Sie richtet Umweltschäden an, belastet das Wasser, ruiniert Böden, verbreitet resistente Keime, zerstört lokale Wertschöpfungsketten, erzwingt Niedriglöhne, verursacht soziale Kosten. Dafür bezahlt sie nicht, stattdessen trägt die Allgemeinheit die Kosten. Auch dies spiegelt sich nicht im Produktpreis an der Kasse wider. Abermals zahlen wir mehrfach für das vermeintliche billige Fleisch: An der Kasse und durch Naturschäden und Versuche zur Wiederherstellung, durch unfruchtbare Böden, Krankheit und soziale Erosion.

Skaleneffekt (economies of scale)

Massenproduktion ist meist billiger. Das spricht zunächst wertfrei für die Massenproduktion. Die Verhältnisse in großen Schlachthäusern zeigen jedoch immer wieder, dass die massenweise Fleischproduktion jedoch hohe Kosten für Mensch und Tier trägt. Arbeiter in solchen Fabriken müssen unter immer höherem Druck arbeiten und das Verletzungsrisiko steigt. Zugleich kann die Sorgfalt mit steigendem Tempo nur sinken. Die Folge sind neben Verletzungen und mangelnder Hygiene auch Fehler bei der Schlachtung, die Leid und Schmerz für die Tiere bedeuten. Das sind hohe Kosten; sie sind unbezahlbar.

Der Skaleneffekt trifft in Maßen zu. Ein höherer Durchsatz, etwa zwei Schweine statt nur eines auf dem Anhänger, ist oftmals wirtschaftlicher. Doch in der Nahrungsmittelerzeugung gerade bei Tierprodukten hat die Massenproduktion schnell negative Folgen.

Qualität (Wasser im Fleisch)

Fleisch aus industrieller Intensivtierhaltung enthält oft größere Mengen Wasser, welches beim Garen austritt. Weithin bekannt sind Steaks, denen man beim Schrumpfen in der Pfanne zusehen kann. Da geht er dahin, der scheinbar günstigere Preis. Mag das Industriefleisch an der Kasse noch billiger sein als Weidefleisch, spätestens auf dem Teller erkennt man die Wahrheit: Weidefleisch enthält mehr Fleisch als viele der konventionellen Produkte.

Fußnoten

  1. Siehe auch Vorteile/Sozioökonomie.