Was ist Weideschlachtung? Kugelschuss auf der Weide

Bei der Weideschlachtung (Kugelschuss auf der Weide) wird das Tier auf der Weide kontrolliert aus geringer Entfernung durch einen Kopfschuss getötet. Der Transport des lebenden Tieres zum Schlachthaus entfällt. Das Tier erleidet keinerlei Stress, der Tod tritt unmittelbar ein. Hinsichtlich des Tierwohls ist dies die humanste Methode der Schlachtung, anders als der Transport ins Schlachthaus oder ein Angriff durch Wildtiere. In Verbindung mit der Mutterkuhhaltung bleiben dem Tier hierbei lebenslang jegliche Transporte erspart. Einzige Alternative wäre der fußläufige Gang der Tiere in eine Schlachterei direkt am Hof.

Weideschlachtung wirkt sich positiv auf die Fleischqualität aus. Ablesen lässt sich das an Kriterien wie pH-Wert, Zartheit, Farbe und Wasserhaltevermögen. Die prämortalen Belastungsfaktoren sind minimal für das geschossene Tier und die den Abschuss und Zusammenbruch beobachtenden Herdengenossen.1

Der Kugelschuss auf der Weide ist seit einigen Jahren in Deutschland gesetzlich verankert und auch in der Schweiz seit Mai 2016.2 Weideschlachtung übertrifft bei Weitem die Standards der Bio-Siegel wie Naturland und Bioland, deren Tiere in der Regel Tiertransporte erleiden und in regulären Schlachthäusern verarbeitet werden.

Der Prozess zur Genehmigung erfordert neben entsprechenden Fortbildungen auch zeitlichen und finanziellen Einsatz sowie die Einrichtung eines geeigneten Geheges. Diese Investitionen nutzen dem Wohl von Tier und Mensch deutlich. Möchte ein Landwirt die Methode umsetzen, seine Tiere jedoch nicht selbst erschießen, kann er einen Jäger beauftragen.3

In der Praxis erweist es sich als sinnvoll, drei Tiere ins Abschussgehege zu verlegen. Ein Tier allein wird unruhig. Wenn es zwei sind, wird eines nach dem Abschuss allein sein. Bei drei Tieren kann das nicht passieren. Mehr als drei Tiere mindern unnötig den Überblick und können den Abschuss erschweren.

In diesem Video sehen Sie eine Möglichkeit, wie der Kugelschuss auf der Weide ablaufen kann. Es handelt sich um den Betrieb von Annette und Ernst Hermann Maier, auch bekannt unter dem Stichwort Uria:

Ernst Hermann Maier ist ein Pionier des Kugelschuss auf der Weide. Er hat viele Jahre für eine Genehmigung dieser Methode gekämpft und sein mittlerweile zusammen mit seiner Tochter geführter Betrieb ist in jeder Hinsicht vorbildlich hinsichtlich des Tierwohls.

Weiter verbreitet ist die Methode mit Hilfe eines separaten Geheges und einer Kanzel wie in diesem Video vom FiBL: FiBL – Weideschlachtung – Eine tiergerechte und stressfreie Schlachtmethode (Mai 2015):

Der Kugelschuss auf der Weide ist kein Standardverfahren. Zur Erleichterung der Beurteilung von Anträgen hat die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. ein informatives Merkblatt zusammengestellt. Es enthält Ausführungen zum Tierschutzrecht, Lebensmittelrecht, Tierseuchenrecht, Ordnungsrecht/Waffenrecht, Genehmigungsverfahren Organisation und weiteren relevanten Punkten.4

Die Umsetzung beim Naturschutzverein Bunde Wischen e.V.: GEO Medien – Kugelschuss auf der Weide

Viele Details zur Konstruktion des Abschussortes, der bewährten Praktiken, Art des Projektils etc.:

Dieser Bericht des Bayerischen Rundfunk zeigt den Vorgang bei Herbert Siegel. Er kommt ohne zusätzliche Baumaßnahme aus und nutzt das natürliche Gelände als Kugelfang:

Fußnoten

  1. Katrin Juliane Schiffer (2015) Hofschlachtung von Rindern per Kugelschussmethode. Universität Kassel, ISBN 978-3-8440-3951-1.
  2. FiBL -Medienmitteilung Weideschlachtung gesetzlich erlaubt. Fibl.org. 3. Juni 2016.
  3. Trampenau, Lea (2011) Kugelschuss auf der Weide – Widersprüchliche Verordnungen behindern tierschutzgerechtes Schlachtverfahren. Kritischer Agrarbericht 2011.
  4. TVT Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2013) Merkblatt Nr. 136 Kugelschuss auf der Weide als Betäubungs- / Tötungsverfahren zur Schlachtung von Rindern., Bramsche.