Umwelt und Klima

Afrikas Serengeti, die nordamerikanische Prärie, die Steppen der Ukraine und Mongolei: sie gehören heute zu den weltweit ertragreichsten Böden. Entstehen konnten diese artenreichen Lebensräume nur durch Co-Evolution von Weidetieren mit Gräsern.

Rinder sind als Wiederkäuer natürlicher und wesentlicher Teil des Ökosystems Grasland. Sie fördern den Wachstumszyklus der Gräser und die biologische Vielfalt. Die Landschaftspflege durch Weidetiere führt zu gesünderen Böden mit besserer Wasserspeicherfähigkeit und höherer Artenvielfalt der Gräser und Kräuter und besserem Klima.1, 2, 3, 4 Dadurch wird der Lebensraum auch für mehr Insektenarten attraktiver, welche ihrerseits mehr Vogelspezies anziehen.5, 6

Richtiges Weidemanagement beachtet alle wesentlichen Merkmale des natürlichen Wiederkäuerverhaltens. Joel Salatin fasst diese zusammen als Bewegung, Gruppenbildung und Grasen.7 Essenziell für den ökologischen Nutzen der Rinder ist: die Tiere bewegen sich stets und es kommt nicht zur Überweidung. Es genügt also nicht, die Tiere einfach auf eine Wiese zu sperren.8

Der Ökologe Allan Savory demonstrierte in mehreren Projekten: geplante Rinderhaltung kann die Desertifikation (Wüstenbildung) umkehren.9 Teile seiner Ergebnisse sind umstritten und die aktuelle Studienlage zeigt: das Konzept funktioniert nicht immer überall auf der Welt. Dem gegenüber stehen unzählige positive Ergebnisse und Studien, welche die Wirksamkeit dieser Herangehensweise bestätigen. Natürlich eignet sich nicht jede Region gleichermaßen für die Rinderhaltung und unterschiedliche Sorgfalt der Anwender bedingt abweichende Ergebnisse.

Der häufige Vorwurf, Rinderhaltung führe zur Produktion großer Mengen Treibhausgase und treibe dadurch den Klimawandel voran, trifft nur auf die industrielle Intensivtierhaltung zu. Bei sorgfältigem Weidemanagement hingegen helfen Rinder, unterm Strich Kohlenstoffdioxid zu binden.10 Extensive Weidehaltung und nachhaltiges Weidemanagement haben das Potenzial, mehr Kohlenstoff zu speichern als jedes andere landwirtschaftliche Verfahren.11 Das funktioniert mittels Kohlenstoffsequestrierung durch die Gräser im Boden (Details dazu auf der Seite Klimabilanz der Weidehaltung). Die Rinder stimulieren das Graswachstum, das Gras bindet durch das verbesserte Wachstum mehr Kohlenstoff und speichert ihn im Boden als Basis des Humus. Gesunde Böden zersetzen teils mehr Methan, als die darauf weidenden Rinder produzieren.12 Distickstoffmonoxid (Lachgas), ein vielfach klimawirksameres Gas als CO2, fällt für Weidefleisch nicht an; wohl aber für Fleisch aus Intensivtierhaltung, nämlich durch die Düngung beim Erzeugen des Futtergetreides.13

Auch der Wasserverbrauch der Fleischproduktion steht oft in der Kritik. Doch letztlich gibt es keinen Verbrauch, denn das Wasser verschwindet nicht, sondern der größte Teil landet wieder im lokalen Ökosystem und somit im natürlichen Stoffkreislauf. Auch führen die häufig verwendeten Maßeinheiten in die Irre: der Wasserbedarf je Kilogramm Nahrung ist beispielsweise irrelevant. Errechnet man hingegen den Wasserbedarf je Kalorie – denn Menschen benötigen Energie – ergibt sich ein anderes Bild: Hirse liefert lediglich 0,756 kcal/l, Ziegenfleisch dagegen 1,135 kcal/l.14 Das sind Zahlenspiele und die Quellen und zugrundeliegenden Annahmen sind äußerst fragwürdig zumal gilt: Das Wasser wird nicht verbraucht, sondern bleibt im Stoffkreislauf. (Zudem ist der Wasserbedarf von Weiderindern um ein Vielfaches niedriger als im industriellen System. Denn statt bewässerungsintensivem Getreide fressen sie nur Gras und Kräuter und ihre Ausscheidungen verteilen sich direkt auf der Wiese und wieder im Kreislauf.)

Ein signifikantes Problem in der industriellen Intensivtierhaltung bereitet hingegen die Sammlung der Abwässer der Stallanlagen aus Fäkalien und Urin in sogenannten Lagunen. In dieser hohen Konzentration sind sie ein Umweltrisiko und können nicht direkt in den Stoffkreislauf zurückgegeben werden.

Da Rinder auf der Weide durch Gräser und Kräuter mit allen nötigen Nährstoffen versorgt sind, entfällt eine zusätzliche Futterproduktion mit all ihren Folgen. Das beinhaltet das Roden von Regenwaldflächen zum Anbau von Soja und anderen Eiweißquellen zur internationalen Verwendung als Tierfutter. Futter für die Intensivtierhaltung, häufig Soja, Mais und andere Getreide, wächst unter hohem Düngemitteleinsatz, welcher unsere Gewässer belastet und sogenannte Dead Zones verursacht.15 Weiderinder verursachen durch ihr natürliches Futter keine Düngemittelbelastung. Sie können auch auf sonst nicht für die Erzeugung von Lebensmitteln nutzbaren Flächen wie Magerrasenwiesen weiden. In diesen Fällen sind sie eine intelligente Nutzung natürlicher Ressourcen zur Ernährung und zugleich zum Erhalt des Ökosystems.

Aufgrund besserer Gesundheit benötigen Weiderinder Antibiotika nur in Ausnahmefällen.16 Die beträchtliche Wasserbelastung durch Antibiotikarückstände entfällt entsprechend.

Fußnoten

  1. Salatin, Joel. 2016. Cows, Carbon and Climate | Joel Salatin | TEDxCharlottesville. Youtube. https://www.youtube.com/watch?v=4Z75A_JMBx4.
  2. Weber, K. T. Effect of grazing on soil-water content in semiarid rangelands of southeast Idaho. ResearchGate. 1 May 2011. <https://www.researchgate.net/publication/238503462_Effect_of_grazing_on_soil-water_content_in_semiarid_rangelands_of_southeast_Idaho>
  3. Collins, Scott L.. Modulation of Diversity by Grazing and Mowing in Native Tallgrass Prairie | Science. Science.sciencemag.org. American Association for the Advancement of Science, 1 May 1998. <http://science.sciencemag.org/content/280/5364/745>
  4. Bullock, James M., Bridget A. Emmett, Richard F. Pywell, Ben Woodcock, Matthew S. Heard, Claire Carvell, and Richard J. &. Others Pakeman. 2011. Semi-Natural Grasslands [chapter 6]. In UK National Ecosystem Assessment. Understanding Nature’s Value to Society. Technical Report, 161–96. Cambridge: UNEP-WCMC.
  5. R. Van Der Wal. UK National Ecosystem Assessment. Chapter 4: Mountains, Moorlands and Heaths. ResearchGate. 14 February 2014. <https://www.researchgate.net/publication/224807096_UK_National_Ecosystem_Assessment_Chapter_4_Mountains_Moorlands_and_Heaths>
  6. Ruf, M.. Effects of extensive year-round grazing on breeding bird communities in Northern Germany. 2010 pp.735-737
  7. YouTube. Can real food from real farms lead to real health? YouTube. 12 Jun. 2012. <https://www.youtube.com/watch?v=cph1Vv8Zzbg>
  8. Weber, Keith T. Desertification and livestock grazing: The roles of sedentarization, mobility and rest. Pastoralism: Research, Policy and Practice. 20 Oct. 2011. <http://pastoralismjournal.springeropen.com/articles/10.1186/2041-7136-1-19>
  9. Grasslands of the World | Savory. Savory.global. Web. 26 Aug. 2016. <http://savory.global/institute>
  10. Kane, Daniel. Carbon Sequestration Potential on Agricultural Lands: A Review of Current Science and Available Practices. National Sustainable Agriculture Coalition. November 2015 http://sustainableagriculture.net/wp-content/uploads/2015/12/Soil_C_review_Kane_Dec_4-final-v4.pdf
  11. Neely, Bunning, Wilkes (2009) Review of evidence on drylands pastoral systems and climate change: Implications and opportunities for mitigation and adaptation. FAO, Rome, 2009
  12. Savory.global. An Exploration of Methane and Properly Managed Livestock through Holistic Management. 2015.<http://savory.global/assets/docs/evidence-papers/2015-methane.pdf>
  13. Richard B. Alley (USA) et al. A Report Accepted by Working Group I of the Intergovernmental Panel on Climate Change but Not Approved in Detail. http://www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar4/wg1/ar4-wg1-ts.pdf.
  14. National Geographic Society. The Hidden Water We Use – National Geographic. National Geographic. Web. 26 Aug. 2016. <http://environment.nationalgeographic.com/environment/freshwater/embedded-water/>, Millet, raw Nutrition Facts & Calories. Nutritiondata.self.com. Web. 26 Aug. 2016. <http://nutritiondata.self.com/facts/cereal-grains-and-pasta/5701/2>, Goat, raw Nutrition Facts & Calories. Nutritiondata.self.com. Web. 26 Aug. 2016. <http://nutritiondata.self.com/facts/lamb-veal-and-game-products/4637/2>
  15. Greenhalgh S, Faeth P. A potential integrated water quality strategy for the Mississippi River Basin and the Gulf of Mexico. ScientificWorldJournal. 2001 Nov 22;1 Suppl 2:976-83.
  16. Michael Pollan. Power Steer. Nytimes.com. 31 Mar. 2002. Web.<http://www.nytimes.com/2002/03/31/magazine/power-steer.html>