Sozioökonomie

Weidefleisch nutzt allen Menschen der Region und hilft, Leid in anderen Teilen der Welt zu verhindern.

Die Erzeugung von Weidefleisch schafft und erhält lokale Wertschöpfungsketten. Der Tierhalter kann direkt mit dem örtlichen Metzger zusammenarbeiten und Verbraucher kaufen das Fleisch ihrer Region oder Gemeinde. Statt in international agierende Handelsketten fließt das Geld in die Gemeinde, was auch steuerliche Vorteile für die Kommunen bringt. Die können ihrerseits mehr Geld für das örtliche Gemeinwohl aufwenden.

So verbessert sich die Infrastruktur besonders des ländlichen Raums. Der Wegfall externalisierter Kosten in der Weidehaltung entlastet die Steuerkasse unter anderem durch geringere Kosten für Wasseraufbereitung, Beseitigung von Umweltbeschädigungen und -verschmutzungen durch industrielle Intensivtierhaltung und mehr.1

Die lokale Lebensmittelproduktion schafft Arbeitsplätze, fördert faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen, dadurch auch bessere Sozialleistungen für alle Beteiligten. Durch die Anerkennung der Arbeiter in der Nahrungskette, Landwirte und Metzger, anstelle von Unternehmen und Marken, interagieren wir menschlich direkt miteinander und schaffen Beziehungen auf Augenhöhe. Das fördert gemeinschaftliches Verständnis und Zusammenhalt.

Die Region wird zudem weniger abhängig von Schwankungen des Weltmarktes, die lokale Wirtschaft gewinnt an Stabilität. Auch der Tourismus gewinnt: Die attraktiven Tiere schmücken und pflegen2 das Landschaftsbild und einzigartige kulinarische Erlebnisse ziehen Menschen an.

Das Einkommen aus Milchviehhaltung auf Weiden übersteigt oftmals das der konventionellen Haltung.3

Lokale Weidehaltung als Alternative zur industriellen Intensivtierhaltung wirkt auch positiv auf die Wirtschaft anderer Länder: Die Intensivtierhaltung bezieht Futtermittel aus südlichen Entwicklungs- und Schwellenländern wie Brasilien und zerstört dadurch kleinbäuerliche Strukturen.4 Das verschärft die Nahrungsknappheit und führt zu sozialer Erosion. Diese durch nördliche Länder wie Deutschland verursachten sozioökonomischen Schäden reichen aufgrund der folgenden Landflucht bis in die Städte. Der staatlich subventionierte Export billigen Fleisches und Milchpulvers aus der Industrie zurück in die südlichen Länder zerstört durch Niedrigpreise dort zusätzlich lokale Märkte und Handel.5, 6 Dadurch zwingen wir Menschen in Abhängigkeiten und machen Erzeuger arbeitslos. Diese Menschen geraten durch unsere Industrie in wirtschaftliche Bedrängnis und einige suchen in der Folge ihr Glück in anderen Ländern – teils auch in Europa.7

Weidefleisch-Produktion geschieht lokal. Sie bedarf keiner importierten Futtermittel. Das produzierte Fleisch eignet sich aufgrund der geringen Mengen und des höheren Preises nicht als billige Exportware. Die Fleischgewinnung durch Weidehaltung verbessert demnach nicht nur örtlich die sozialen Verhältnisse, sondern auch im entfernten Ausland.

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Fußnoten

  1. Ein Beispiel: Konventionelle Landschwirtschaft ist für den Großteil der Stickstoffüberschüsse verantwortlich. Diese verursachen in den USA jährlich Umwelt- und Gesundheitsschäden von rund 210 Milliarden Dollar ($660 USD pro Kopf). Der Lebensmittelpreis spiegelt das nicht wider, die Industrie verlagert die Kosten stattdessen auf die Allgemeinheit. (s.a. Daniel J Sobota et al. Cost of reactive nitrogen release from human activities to the environment in the United States. Environmental Research Letters, Volume 10, Number 2. 17 Feb. 2015.)
  2. Siehe auch Landschaftspflege durch Beweidung.
  3. Elsäßer, Jilg, Over (2007) Projekt ‚Weidemilch‘: Die ersten Ergebnisse, Top Agrar 4/2007.
  4. Zwei Drittel der Proteine in europäischen Futtertrögen stammen von außerhalb der EU. Quelle: Idel, Anita (2010) Die Kuh ist kein Klima-Killer. Metropolis-Verlag, Marburg. S. 61.
  5. Idel, Anita (2010) Die Kuh ist kein Klima-Killer. Metropolis-Verlag, Marburg. S. 61
  6. Idel, A. und Gura, S. (2008) Überfluss im Norden, Raubbau im Süden. In Ökologie und Landbau, 3/2008
  7. Alexander Göbel (14 Dezember 2015.) Das Märchen vom fairen Handel – Wie die EU Ghanas Geflügelwirtschaft zerstört. Deutschlandfunk; Tagesschau.de. Wie die EU Ghanas Geflügelwirtschaft zerstört. tagesschau.de. 14 Dec. 2015. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/ghana-gefluegel-101.html; Zeit Online vom 20. Januar 2015. Export: Billigfleisch für Afrika. zeit.de.