Weidehaltung ist effizient (Podcast #22)

Ist Weidehaltung effizient?

Wer Weidehaltung aufgrund der geringeren Produktionsmenge pro Flächeneinheit als ineffizient wertet, verkennt andere Merkmale der Effizienz. Im Vergleich drängen sich zahlreiche Zweifel an der Effizienz industrieller Intensivtierhaltung von Rindern in Mastställen auf:

Was ist effizient daran, Tiere in einen Stall zu sperren und das Futter über weite Strecken herbeizutransportieren? Das kostet Treibstoff, Arbeitszeit und Geld und es verursacht den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid. In Weidehaltung bringt man das Futter nicht zu den Tieren, sondern die Tiere bewegen sich selbst zu ihrem Futter, nehmen dem Landwirt diese Arbeit ab und verursachen dabei keinen zusätzlichen CO2-Ausstoß.

Ist es effizient, wenn man den Dung der Tiere im Stall sammelt und dann abtransportiert und auf Grünflächen ausbringt? Auch das kostet Treibstoff, Arbeitszeit und Geld und verursacht abermals CO2-Emissionen. In Weidehaltung verteilen die Tiere ihre Fäkalien selbst auf dem Land und düngen es auf diese Weise.

Grünland umbrechen und dort in Monokulturen Kraftfutter für die Rindermast anbauen – ist das effizient? Es setzt Kohlenstoff frei und belastet das Klima zusätzlich durch Freisetzen von Distickstoffmonoxid (Lachgas), es erfordert jährliche Arbeit in Form händischer oder maschineller Pflege, verursacht Kosten für regelmäßiges Pflügen und säen. In Weidehaltung bewohnen und pflegen die Tiere direkt das Grünland. Der Kohlenstoffspeicher bleibt erhalten, die Beweidung bindet Klimagase und pflegt den Boden (siehe die Kapitel Klima und Landschaftspflege.)

Wie kann man die weitreichenden Umweltschäden effizient nennen, die durch Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, durch Bodenerosion in Kraftfuttermonokulturen, durch Verlust von Grasland und Artenvielfalt, durch Stickstoffbelastung und CO2-Ausstoß entstehen? Wie effizient kann ein System sein, wenn es erst solche Zerstörung anrichtet und dann viel Zeit und Geld aufwendet in dem Versuch, die (oft irreversiblen) Schäden zu beheben?

Weidehaltung verursacht keine dieser Schäden und erzeugt dennoch Fleisch höherer Qualität (siehe Kapitel Geschmack.)

Extensive Weidehaltung pflegt die Landschaft, Natur und Kultur, statt Menschen durch den Einsatz von Chemikalien aus der Pharma- und Agrarindustrie zu gefährden. Weidehaltung dient dem Gemeinwohl. Das ist höchst effizient.

Ist Rinderhaltung ineffizient?

Rinderhaltung zwecks Nahrungsmittelerzeugung sei ineffizient, denn die Tiere setzen das verfütterte Getreide nur 10:1 in Fleisch um. Mit dem Getreide könne man demnach besser direkt Menschen ernähren.

Rinder sind von Natur aus keine Nahrungskonkurrenten des Menschen. Sie können von Gras und Heu leben und so auch nicht-ackerfähige Flächen wie Magerrasen nutzen. Das macht sie höchst effizient, da sie Ressourcen nutzen können, von denen sich kein Mensch ernähren kann.

Fleischverzicht rettet den Planeten nicht (Podcast #21)

Warum führt der Landwirt nicht einfach eine Hausschlachtung durch und umgeht so viele Probleme, zum Beispiel bei der Suche nach einer geeigneten Schlachterei?

Das Fleisch aus einer Hausschlachtung darf ausschließlich im eigenen Haushalt des Besitzers verbraucht werden. Eine kommerzielle Nutzung ist ausgeschlossen.

Würde Fleischverzicht den Planeten retten?

Würde eine vegetarische oder vegane Lebensweise dem Klima wirklich wesentlich helfen? Nein, fasst Bjørn Lomborg, selbst Vegetarier, in einem Artikel zusammen.1

Die weit verbreiteten Argumente gegen Fleischverzehr zugunsten des Klimas decken sich nicht mit der Realität. Massenmedien berichten regelmäßig über mögliche Einsparungen von Treibhausgasemissionen um 50 % durch den Verzicht auf Fleisch.2 Diese Zahl ist hochgradig irreführend. Erstens kann man diese Einsparung nicht allein durch den Verzicht auf Fleisch erreichen. Sondern man müsste zusätzlich von Milch, Eiern, Honig, Geflügel, Meeresfrüchten, Pelz, Leder, Wolle, Gelatine und vielen anderen Dingen Abschied nehmen: Eine absolut vegane Lebensweise.

Für eine lediglich vegetarische Lebensweise veranschlagen die Medien Einsparungen von 20 bis 35 % der Emissionen je Person.3 Das sind allerdings nur die Treibhausgase durch die Ernährung. Vier Fünftel der persönlichen Emissionen kommen darin gar nicht vor. Die Auswirkung läge also nur bei einem Fünftel, nämlich 4 – 7 %.

Ein systematischer Überblick über geprüfte Studien bestätigt diese Zahl und kommt für einen durchschnittlichen Menschen in der industrialisierten Welt auf 4,3 % Einsparungen von Treibhausgasen durch den Verzicht auf Fleisch.4

Auch das ist jedoch nicht der wahre Wert, denn diese Zahl berücksichtigt noch nicht den sogenannten Rebound-Effekt: Wer kein Fleisch kauft, spart Geld. 7 % in den USA, 15 % in Großbritannien und 10 % in Schweden. Es steht also mehr Geld für andere Ausgaben zur Verfügung, die ihrerseits CO2-Emissionen verursachen.5

In Industrieländern bedeutet daher der Verzicht auf Fleisch für den Rest des Lebens lediglich eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 2 %.

Das sind umfassend geprüfte Daten und Zahlen. Eine Einsparung von 2 % ist nicht zu verachten. Doch sie genügt nicht, um „den Planeten zu retten“.

All diese Berechnungen beziehen sich zudem auf die industrielle Erzeugung von Fleisch. Es gibt viele gute Argumente zur Abkehr davon. Der Schutz des Klimas ist dabei allerdings eines der schwächsten.

Stattdessen liegt nahe, schon bei der Erzeugung die Methode mit dem geringsten CO2-Ausstoß zu wählen oder, noch besser: Eine Methode, welche CO2 aus der Atmosphäre entfernt, etwa durch Kohlenstoffsequestration im Boden. Graslandpflege durch Weidehaltung ermöglicht eine positive Klimabilanz bei gleichzeitiger Ernährung des Menschen.

Eine Rinderhälfte kaufen? Warum tragen die Stücke so viele verschiedene Namen? (Podcast #20)

Sollte ich eine Rinderhälfte kaufen?

Der Kauf einer Rinderhälfte (oder eines Rinderviertels) bringt Vorteile und Nachteile mit sich. Wem einzelne Steaks oder Bratenstücke jedoch nicht genügen und wer auch mit den verbreiteten Fleischpaketen zu fünf bis 25 Kilo nicht zufrieden ist, sollte Folgendes beachten.

Wer eine ganze Rinderhälfte kaufen möchte, wendet sich am besten direkt an den Erzeuger. Allerdings ist die Nachfrage nach Rinderhälften aus Weidehaltung verhältnismäßig gering, viele Landwirte sind daher nicht darauf vorbereitet. Wer eine Rinderhälfte kauft, nimmt dem Landwirt oder Fleischer die Arbeit. Deswegen möchte nicht jeder Erzeuger oder Schlachter gerne Rinderhälften verkaufen, denn die Metzgerei ist Teil der Wertschöpfung: An der Rinderhälfte am Stück verdient man nicht so viel wie an einzelnen Steaks (was freilich abhängt von der Preisgestaltung), allerdings spart es die Arbeit zum Verkauf der Einzelteile.

Wer sich das Zerlegen einer Rinderhälfte oder eines Rinderviertels zutraut, kann Geld sparen, viel lernen und die Einzelteile genau nach Wunsch zuschneiden.

Beim Erwerb einer Hälfte von Rind, Lamm, Ziege und Schwein steht eine Frage im Raum – im Kühlraum, um genau zu sein: Wie lange und wo soll das Fleisch abhängen und reifen? Die wenigsten Menschen verfügen über einen eigenen Raum, der sich zur Trockenreife eignet. In den meisten Fällen wird man für das Abhängen des Fleischs auf die Dienste des Erzeugers oder Metzgers zurückgreifen.

Zum Zerlegen benötigt man ausreichend Platz und Möglichkeiten zum Kühlen oder Einfrieren. Beim Einfrieren sollte man dafür sorgen, das Fleisch möglichst schnell herunterzukühlen, damit die Qualität bestmöglich erhalten bleibt. Die Gastronomie nutzt dafür Schockfroster, im Hausgebrauch gibt es als Notbehelf häufig am Gefrierschrank eine Turbotaste.

Unterschätzen sollte man auch nicht den Zeitaufwand: Selbst ein erfahrener Metzger ist mit dem Zerlegen einer Rinderhälfte viele Stunden beschäftigt. Allein das Verpacken der einzelnen Teilstücke und Zuschnitte kann Stunden dauern. Als ich mein erstes Rinderviertel kaufte, war dies bereits weitgehend zugeschnitten und trotzdem haben wir zu zweit rund fünf Stunden zum Portionieren, Verpacken, Vakuumieren und Verstauen des Fleischberges benötigt.

Rinderhälfte kaufen – Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Geldersparnis beim Einkauf der Rinderhälfte.
  • Wissensgewinn und Erlebnis beim Zerlegen.
  • Freie Wahl der Zuschnitte.

Nachteile

  • Hoher Zeitaufwand beim Zerlegen, Portionieren, Verpacken und Verstauen.
  • Meist Abhängigkeit von Kühlraum und Bereitschaft des Metzgers zum Abhängen und Reifen.
  • Bedarf an geeignetem Werkzeug und Ausrüstung.

Warum missverstehen wir uns ständig bei den Teilstücken des Tieres?

Hochrippe, Rostbraten und Hohrücken sind verschiedene Namen für das gleiche Stück Fleisch. Allein im deutschen Sprachraum unterscheiden sich also die Bezeichnungen. Im Ausland kommen Entrecôte, Ribeye und Forerib hinzu. Doch nicht nur die Namen unterscheiden sich; abhängig von der Tradition werden die Teilstücke auch unterschiedlich zugeschnitten. Der Rückenstrang vom Rind ist das beste Beispiel: Wo genau das Roastbeef bzw. die Rump Steaks enden und das Entrecôte beginnt, entscheidet allein der jeweilige Metzger. Spaziert man in Paris durch eine Straße mit mehreren Metzgereien, wird man bei jedem leichte Unterschiede feststellen. In den USA bestehen Unterschiede zwischen Ost- und Westküste durch die Einflüsse unterschiedlicher Nationen in vergangenen Jahrhunderten.

Unklarheiten kann auch das Register der Teilstücke vom Rind auf weidefleisch.org/teilstuecke/ nur zum Teil ausräumen. Ein praktisches Hilfsmittel zur Kommunikation ist ein detailliertes Schnittbild vom Rind (oder dem zur Diskussion stehenden Tier) als Poster. Der Erzeuger sollte sich selbst mit den Stücken vertraut machen. In einigen Fällen gibt es aufgrund der fließenden Übergänge (s.o.) keine richtigen oder falschen Bezeichnungen. In dem Fall sollte der Erzeuger selbst festlegen, wo er die Linie zieht und bei dieser Einteilung bleiben.

Während einige Grillfans eine gute Vorstellung davon haben, was genau sie wollen und wo es sich am Tier befindet, weiß die Mehrheit der Käufer lediglich, was für ein Geschmackserlebnis sie sich wünscht. Es ist Aufgabe des Erzeugers, den Kunden anzuleiten und auch auszubilden. Je mehr der Käufer über den Zuschnitt weiß, desto bessere Entscheidungen kann er beim Kauf treffen. Wenn er bekommt, was er sucht, ist er glücklich – und kommt wieder. Dazu gehört auch, dass der Erzeuger den Kunden ermutigt, Alternativen auszuprobieren; besonders, wenn das gewünschte Stück nicht mehr verfügbar ist. Fragt ein Kunde nach Filet und lässt sich stattdessen vom Flat Iron Steak überzeugen (das zweit-zarteste Stück am Rind mit deutlich stärkerem Aroma als das Filet), könnte er derjenige werden, der sich dieses Juwel künftig stets reservieren lässt.

Wer muss für mehr Weidehaltung sorgen? Warum kein Bolzenschuss? (Podcast #17)

Muss es ein Kugelschuss auf der Weide sein? Warum ist ein Bolzenschuss nicht möglich?

Ein Tier auf der Weide mittels Bolzenschuss zu betäuben wäre grundsätzlich möglich. Dem stehen jedoch häufig Hindernisse und Fragen im Weg:

  • Wenn das Tier zahm genug ist, um eine Betäubung aus nächster Nähe durchzuführen, genehmigt das Veterinäramt überhaupt eine Betäubung und Tötung auf der Weide? (Ja, sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind, gibt es keinen Prüfvorbehalt.)
  • Plant man den Einsatz des Bolzenschussgeräts in einem Fangstand, ist die zügige Entnahme des Tieres nach der Betäubung zu bedenken: Nicht jeder Fangstand eignet sich dafür.
  • Zugleich bedeutet der Fangstand für viele extensiv lebende Tiere bereits Stress. In solchen Fällen läuft die Betäubung mittels Bolzenschussgerät dem zugrundeliegenden Konzept zuwider.
  • Der Einsatz eines Bolzenschussgeräts ist keineswegs eine Erfolgsgarantie. Zur guten Praxis gehört zum Beispiel die Verfügbarkeit und Bereitschaft eines Ersatzgerätes. Zugleich kommen auch mit Bolzenschussgeräten Fehlbetäubungen vor. Ein Schütze kann mit einem Gewehr mindestens die gleiche Erfolgsquote erreichen.

Wer ist zuständig für mehr Weidehaltung?

Jeder.

Jeder von uns kann nur essen, wenn in unserem Namen Land irgendwo in irgendeiner Weise bewirtet wird. Somit sind wir alle Landwirte.^[Siehe auch Berry, Wendell (2002) Conservationist and Agrarian.] Wir mögen die Arbeit abgeben und bezahlen, doch wir sind verantwortlich für die Erzeugung. Mit jedem Kauf befürworten wir eine Art der Landnutzung. Und was wir uns auf den Teller legen, beeinflusst das Landschaftsbild.

Landwirte arbeiten in unserem Auftrag mit dem Land, halten Tiere und entscheiden, wie sie mit ihnen und der Umwelt umgehen. Sie sind verantwortlich für die Durchführung und müssen wirtschaftlich arbeiten: Jemand muss die erzeugte Ware kaufen. Verkauft sich das Fleisch aus extensiver Weidehaltung zum angemessenen Preis, dann funktioniert das Geschäft für den Landwirt. Lohnt sich stattdessen auf der gleichen Fläche eher der Anbau von Energiemais in Monokultur, weil das durch Fördergelder mehr Einkommen bringt, dann wird er sich meist dafür entscheiden. Über solche Subventionen entscheidet die Agrarpolitik.

Die Agrarpolitik fördert seit Jahrzehnten die Industrialisierung unserer Landwirtschaft und treibt dadurch direkt den Niedergang der kleinbäuerlichen Landwirtschaft voran. Im Ergebnis beeinträchtigen zusehends größere landwirtschaftliche Betriebe das Landschaftsbild: Maiswüsten, Biogasanlagen, Mastanlagen. Immer mehr Macht sammelt sich in weniger Händen. Das ist eine kurzsichtige, fehlgeleitete Agrarpolitik, denn sie schadet uns allen.

Es ist daher auch Aufgabe der Umweltpolitik, im Sinne des Naturschutzes die extensive Weidehaltung zu fördern und ökologisch nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen. Das muss einer wirtschaftlich sinnvollen Wirtschaftsweise nicht im Weg stehen; im Gegenteil: Durch eine gepflegte Landschaft gewinnen alle. Darunter der Tourismus, der dem wirtschaftlichen Vorteil der gesamten Region, auch der Landwirte dient (siehe auch Kapitel Sozioökonomie).

Wir können also nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen und fordern: „Du musst etwas ändern!“ Sondern jeder von uns kann jetzt sofort sein Einkaufsverhalten ändern und so extensive Weidehaltung fördern. Wir müssen nicht zu Demonstrationen nach Berlin fahren, hoffen und warten bis vielleicht in zwanzig Jahren eine Richtungsänderung von der EU durch Berlin in die Länder und Gemeinden heruntertröpfelt.

Viel schneller und gründlicher können wir vor der eigenen Tür kehren und uns in unseren Gemeinden an Landwirte wenden.

Wir können Naturschutzverbände ansprechen, um extensive Weidehaltung über bestehende Landschaftspflegeprojekte hinaus zu fördern (siehe auch Landschaftspflege durch Beweidung).

Wir können die Ämter und Vereine für Tourismus aufmerksam machen auf den Wert einer solcherart gepflegten Landschaft, denn auch sie können fördern und helfen.

Wir können regionale und kommunale Wirtschaftsvereine auffordern, dieser Verantwortung gerecht zu werden, denn auch sie gewännen durch die lokale Wertschöpfungskette. Sie können auch die regionale Produktvermarktung unterstützen.

Wir können die Menschen in den Ämtern für Raumordnungsplanung oder Landschaftsplanung anstoßen zu einem Blick hoch vom Schreibtisch in die Landschaft und zur engen Zusammenarbeit mit Naturschutz, Wirtschaft, Tourismus und Landwirtschaft.

Wir können mit den Heimatvereinen die Kultur der Wertschätzung pflegen: Heimatlandschaft, -traditionen und -produkte machen unsere Identität aus.

Das ist unser aller Aufgabe. Denn wir alle sind betroffen.

Weidefleisch abhängen: Herausforderungen und Lösungen (Podcast Ep. 16)

Diese Beitragsreihe besteht aus Auszügen des neuen Buchs Weidefleisch – Handbuch für Erzeuger und Verbraucher, das im Januar 2022 unter der ISBN 978-3755781868 überall im Handel erschienen ist (auch bei Amazon und BoD). Im Beitrag finden Sie oben einen Player zum weidefleisch.org-Podcast, in dem das Buch episodenweise als Hörbuch zur Verfügung steht.

Was kann man tun, wenn die Möglichkeit zum Abhängen nicht besteht?

Das Abhängen stellt sich immer wieder als größte Herausforderung für Erzeuger und Verbraucher heraus. Wenn viel Liebe, Mühe und Arbeit in die Weidehaltung fließt und das Fleisch dann nur eine Woche abhängt, verschenkt man den größten Teil des geschmacklichen und finanziellen Potentials. Für den Käufer bedeutet die Fleischreifung ebenfalls einen großen Wertzugewinn und der Großteil der Weidefleischkäufer wünscht sich eine länger als gewöhnliche Reifezeit.

Möchte man das bestmögliche Fleisch erzeugen, muss man eine Lösung für das Abhängen und Zerlegen schaffen, bevor man das erste Rind auf seine Weide einlädt.

Das Abhängen ist traditionell Aufgabe des Metzgers. Oft findet sich jedoch kein Metzger mit der Bereitschaft zum Abhängen bzw. Reifen des Fleischs länger als eine Woche. Ursache ist häufig fehlender Platz im Kühlraum. Selbst wenn eine große Kühlkammer vorhanden ist, sprechen oft Gründe dagegen. Zum Beispiel ein intensiver Warenverkehr, der ständig frische (wärmere) Ware in die Kühlung bringt und das zur Reifung ideale Klima stört. In vielen Fällen hat der Metzger auch keine Erfahrung mit längeren Reifezeiten, fürchtet Schimmelbildung oder bezweifelt den Qualitätszugewinn.

Einige Landwirte nutzen zum Abhängen und Zerlegen unterschiedliche Metzger, wenn zum Beispiel der zerlegende Metzger selbst nicht genügend Kühlraum zur Verfügung hat. Das verursacht einen höheren Aufwand für Transporte und dieser Ansatz befriedigt selten.

Steht Qualität an oberster Stelle der Prioritätenliste, ist die pragmatische Lösung eine eigene Kühlzelle.

Eine eigene Kühlzelle? Gedanken zur Rentabilität.

Die Anschaffung einer eigenen Kühlzelle rechnet sich in der Regel nicht, wenn jährlich nur wenige Rinder in den Verkauf gehen. Auch hier kann die Partnersuche eine Lösung bringen, nämlich dann, wenn man sich die Zelle mit anderen Landwirten teilt (zum Beispiel, wenn man seine Tiere ohnehin im Wechsel mit diesen schlachtet). Eine mobile Kühlzelle vereinfacht die Handhabe.

Eine weitere Möglichkeit, den Kauf einer eigenen Kühlzelle zu einer sinnvollen Anschaffung zu machen, ist die Vermietung (ggfs als separates Gewerbe): Metzger, Caterer und andere Dienstleister benötigen immer wieder vorübergehend zusätzliche Kühlmöglichkeiten.

Der echte Preis für Fleisch, 100 Tiere pro Jahr in Direktvermarktung: Alpahirt (Podcast Ep. 15)

In diesem Gespräch mit Adrian Hirt von Alpahirt in der Schweiz geht es unter anderem um die Vermarktung von Fleisch aus Weidehaltung zu einem realistischen Preis. Alpahirt vermarktet das Fleisch von ungefähr einhundert Tieren pro Jahr und unterstützt dabei rund 60 Landwirte sowie die gesamte regionale Wertschöpfungskette.

Weidefleisch von mehr als 3 – 4 Tiere pro Jahr in Direktvermarktung verkaufen (Hörbuch Ep. 14)

Diese Beitragsreihe besteht aus Auszügen des neuen Buchs Weidefleisch – Handbuch für Erzeuger und Verbraucher, das im Januar 2022 unter der ISBN 978-3755781868 überall im Handel erschienen ist (auch bei Amazon und BoD). Im Beitrag finden Sie oben einen Player zum weidefleisch.org-Podcast, in dem das Buch episodenweise als Hörbuch zur Verfügung steht.

Ich schlachte und verkaufe drei bis vier Tiere pro Jahr. Wie kann ich mehr vermarkten?

Der größte Teil der Weidefleisch-Erzeuger beginnt mit dem Verkauf von einem oder zwei Tieren pro Jahr, die Direktvermarktung erfolgt in Form von Fleischpaketen: Einheiten als Viertelrind, als 25-kg-Paket, vielleicht auch als 10-kg-Einheit. Auf diese Weise erreichen sie mit geringem Aufwand genügend Menschen, um das gesamte Fleisch ihrer Tiere zu verkaufen.

Mundpropaganda durch die Kunden vergrößert den Kundenkreis in der Direktvermarktung, aus zwei Tieren pro Jahr werden drei, vielleicht vier. Und dann geht es nicht weiter. Oder wird vielleicht weniger. Warum? Wer ein 25-kg-Paket oder selbst ein 10-kg-Paket kauft, braucht Raum im Gefrierschrank und Zeit und Muse zur Zubereitung etwa von Bratenstücken. Dieses Profil trifft nicht auf jeden potentiellen Kunden zu. Einige merken sogar, dass sie sich mit dem Paket übernommen haben und, so gut es ihnen auch schmeckt, kaufen kein weiteres.

Eine Antwort auf dieses Problem ist Komfort. Wenn 10 kg zu viel sind und Bratenstücke oder Gulasch zu viel Zeit kosten, dann muss man die Verkaufseinheit verkleinern oder die Zubereitung vereinfachen. Oder beides. Aus diesem Grund gibt es Fertiggerichte und vielfältig gefüllte Fleischtheken in Metzgereien. Beides ist mit einem Aufwand verbunden, den sich wenige Landwirte leisten mögen, die nur selten schlachten.

Dennoch gibt es in der Direktvermarktung Möglichkeiten zum Erhöhen des Komforts. Einige davon finden sich im Kapitel Weidefleisch erfolgreich vermarkten: Wertschöpfung Wurst: Der Landwirt könnte einen Teil der zeitaufwändigen Stücke von seinem Metzger zu Salami oder Bierknackern verarbeiten lassen und gleichzeitig einige der fürs Kurzbraten geeigneten Stücke separat verkaufen. Statt das ganze Tier in Großpaketen zu verkaufen, könnte man zunächst ein Viertel des Tieres auf diese Weise weiterverarbeiten und so Erzeugnisse schaffen, die einerseits länger haltbar sind (Salami) und andererseits eine größere Zielgruppe finden (Stücke zum Kurzbraten bzw. Grillen.)

Das ist nur einer von vielen Wegen in der Direktvermarktung, um mehr Komfort zu schaffen. Häufig lohnenswert ist auch die Zusammenarbeit mit einem Restaurant, das nicht nur Interesse am Rückenstrang hat, jedoch auch aufgrund der Bestuhlung kein ganzes Tier auf einmal verwerten kann. Pflegt man ein gutes Verhältnis zum Betreiber des Restaurants, kann man auch eine gemeinsame Veranstaltung wie ein mehrgängiges Menü mit verschiendenen Teilen vom Rind vom Rind ansetzen. Besonders spannend sind oft Themen wie Von Kopf bis Fuß (siehe auch Alles vom Tier genießen: Nose-to-tail-eating.) Dabei kann man einem breiteren Publikum ungewöhnlichere Stücke wie den Nierenzapfen vorstellen, zugleich die Gäste als mögliche künftige Kunden gewinnen und überdies eben jene Stücke (Innereien) verwerten, die sich sonst auch aufgrund des Zeitdrucks weniger einfach vermarkten lassen.

Eine weitere Lösung zur Erweiterung des Kundenkreises in Direktvermarktung ist die traditionelle Werbung: Inserate in Tageszeitungen wirken auch in Zeiten des Internet gut. Auch sollte man seine Hausaufgaben hinsichtlich der Erreichbarkeit und Auffindbarkeit gemacht haben. Mundpropaganda ist gut. Noch besser ist, wenn man seinen Kunden bei der Mundpropaganda hilft, indem man ihnen eine Handvoll attraktiv gestalteter Flyer oder Visitenkarten mit in das Fleischpaket legt. Auch das ist Komfort.

Ganzjährige Weidehaltung in Deutschland: Ein Gespräch mit Paul Herweg (Podcast Ep. 13)

In diesem Gespräch mit Paul-Matthias Herweg vom Hof Herweg in Warendorf, NRW, geht es unter anderem um ganzjährige Weidehaltung mit seinen Hereford-Rindern, wie er die Tiere als Teil einer Art Fruchtfolge einsetzt und natürlich wie seine Reise in die Welt der Weidefleisch-Direktvermarktung begann.

  • 0:40 Bodenfruchtbarkeit als Motivation zur Weidehaltung.
  • 3:14 Mutterkuhhaltung rechnet sich nur mit Direktvermarktung.
  • 4:24 Einsatz der Mutterkuhherde zunächst zur Verbesserung der Böden, auch als Teil der Fruchtfolge.
  • 5:35 Auswahl der Rasse Hereford anstelle Limousin, Charolais.
  • 7:00 Eignung für ganzjährige Weidehaltung, Herdensinn der Rasse Hereford.
  • 7:43 Umsetzung der ganzjährigen Weidehaltung auf schweren Böden, mob-grazing als Werkzeug.
  • 9:26 Rinder als Teil der Fruchtfolge auf dem Acker.
  • 10:19 Sichtbare Verbesserung des Bodens durch Weidehaltung, höhere Artenvielfalt, u.a. Vögel und Insekten.
  • 11:30 Aufwand für tägliche Bewegung der Rinder auf neue Koppeln.
  • 12:47 Bevorzugung niedriger Temperaturen.
  • 13:29 Gründe für die Entscheidung gegen Galloway, Schottische Hochlandrinder und Angus, hornlose Zucht.
  • 15:26 Gründe für die Entscheidung zur Direktvermarktung.
  • 17:18 Gute Beziehung zum Metzger hilft, Methoden zur Vermeidung von Stress, Abhängen.
  • 20:42 Hohe Qualität des Weidefleisch zieht Kunden an, Qualitätsmerkmale, Gelbstich des Fett, Mundpropaganda.
  • 23:36 Transparanz als Werbung, Kundentreue.
  • 23:53 Wachstum des Betriebszweigs.
  • 24:15 Vorteile der Vermarktung von 10-kg-Paketen, Nachteile des Verkaufs einzelner Steaks.
  • 25:22 Kommunikation der Grenzen von Direktvermarktung von Weidefleisch.
  • 26:31 Innereien verkaufen sich am schnellsten.
  • 27:51 Fell verkaufen ist schwierig, Fell gerben, Kosten
  • 29:54 Fleischqualität der Rasse Hereford, Marmorierung, Qualität in Abhängigkeit zur Jahreszeit.
  • 32:13 Zukunftspläne
  • 33:22 Der Weg zum mob grazing, Überweidung, Gabe Brown, Pflege der Grasnarbe, Wasserhaltevermögen,
  • 35:08 Ökosystem-Dienstleistungen durch Weidehaltung, Weidehaltung als Hochwasserschutz, Politik